Die ambulante Versorgung wird nicht dadurch leistungsfähiger, dass die Politik den Praxen mehr Verantwortung zuweist und zugleich ihre Finanzierung begrenzt. Wer Personal beschäftigt, Räume vorhält, Geräte finanziert und Behandlungsrisiken trägt, braucht einen verlässlichen Zusammenhang zwischen Leistung, Aufwand und Vergütung. 

Aus Sicht der Privatärztlichen Verrechnungsstellen ist deshalb eine Neuorientierung legitim: Ärztinnen und Ärzte sollen ihren Versorgungsauftrag erfüllen, müssen aber nicht jedes unternehmerische Risiko durch immer mehr eigene Arbeit ausgleichen. Privatärztliche Tätigkeit ist dabei ein eigenständiger Bestandteil freiberuflicher Medizin.

Eine inhabergeführte Praxis kann privatwirtschaftlich organisiert sein und zugleich einen GKVVersorgungsauftrag erfüllen. Die entscheidende Frage lautet, welcher Teil ihrer Leistungen unter welchen
rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen erbracht wird. Ein höherer privatärztlicher Anteil kann die Unabhängigkeit stärken, Investitionen ermöglichen und ein anspruchsvolles Versorgungskonzept tragen. Er ist jedoch kein Ersatz für gute Medizin, transparente Verträge und sorgfältige Unternehmensführung.

 

Mit dieser Broschüre möchten wir Ihnen mehrere Handlungsoptionen für Ihre Praxis aufzeigen

 

Welche Praxis passt zur eigenen Zukunft? Steigende Betriebskosten, veränderte GKV-Vergütungsbedingungen und der Wunsch nach mehr Gestaltungsfreiheit machen eine Überprüfung des Praxismodells sinnvoll. Ein höherer privatärztlicher Anteil ist eine Möglichkeit. Entscheidend sind jedoch Versorgungsauftrag, medizinisches Profil, verfügbare Kapazitäten und ein tragfähiges wirtschaftliches Konzept.

 

Sechs Handlungsoptionen: 

  • GKV-Praxis effizienter führen. Sprechstunden, Akutreserven, Personal, Dokumentation und Investitionen neu abstimmen. Der bestehende Versorgungsauftrag bleibt unverändert;
    Versorgungspflichten werden weiter erfüllt.
  • Zusätzliche Privatsprechstunden aufbauen. Ein klar beschriebenes Angebot für Privatversicherte sowie freiwillig selbstzahlende GKV-Versicherte schaffen. Dafür sind gesonderte Kapazitäten, transparente Kosten und rechtssichere Vereinbarungen nötig.
  • Medizinisch sinnvolle IGeL anbieten. Freiwillige Leistungen außerhalb des konkreten GKV-Anspruchs ergänzen, etwa bestimmte Bescheinigungen oder individuell gewünschte Untersuchungen. Nutzen, Grenzen und Kosten vorab erläutern.
  • Leistungsangebot und Kooperationen anpassen. Unrentable Abläufe überprüfen, Investitionen gezielt planen, Geräte oder Leistungen gegebenenfalls gemeinsam nutzen. Wesentliche GKV-Leistungen dürfen nicht zur ausschließlichen Privatabrechnung verlagert werden.
  • GKV-Versorgungsauftrag formell reduzieren. Den Auftrag auf drei Viertel oder die Hälfte beschränken und daneben einen eigenständigen Privatbereich entwickeln. Die geringere GKV-Vergütung muss wirtschaftlich aufgefangen werden; eine spätere Aufstockung ist nicht garantiert.
  • Reine Privatpraxis. Nach individuellem Zulassungsverzicht eine reine Privatpraxis mit eigenem Leistungsprofil führen. Vorher müssen Nachfrage, Finanzierung, Übergangsversorgung, Fristen und
    eine mögliche Praxisnachfolge geklärt sein.

 

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